Theory in Translation. Französische Theorie in Ostmitteleuropa (1960–2000)

Wer oder was ist Forschungsprojekt Theory in Translation. Französische Theorie in Ostmitteleuropa (1960–2000)?

Das Projekt befasst sich mit der Übersetzungsgeschichte französischer Theorie in Polen, der Tschechoslowakei sowie in Ostdeutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ausgangspunkt ist dabei die Feststellung, dass sich die Migrations- und Zirkulationsnarrative, welche die internationale Theoriegeschichtsschreibung seit den 1980er Jahren dominieren (z.B. Edward Saids traveling theories), für die Untersuchung des hier infrage stehenden Gegenstands nur bedingt eignen. Zum Beispiel finden Wanderungsbewegungen von Wissenschaftler*innen vor allem in den 1970er und 80er Jahren ganz überwiegend nur in eine Richtung statt, nämlich von Ost nach West. Gleichzeitig lässt sich aber in eben diesem Zeitraum innerhalb ostmitteleuropäischer Theoriekulturen trotz geringer räumlicher Mobilität und meist an der Peripherie der institutionalisierten Literaturwissenschaft und Philosophie sowie in der Sphäre des Inoffiziellen (Samizdat/zweiter Umlauf, illegale Lesezirkel, Wohnzimmerseminare) eine teils intensive Übersetzungstätigkeit französischer Theorie beobachten.

Auf methodischer und theoretischer Ebene fragt das Projekt zum einen nach den Möglichkeiten, Theoriegeschichte als Übersetzungsgeschichte zu denken. Relevant erscheint dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund einiger in jüngster Zeit erschienener Publikationen, die Übersetzungen zumindest editionsgeschichtlich oder paratextuell in theoriegeschichtliche Untersuchungen einbeziehen, dabei jedoch deren sprachliche und insbesondere terminologische Dimension weitgehend außer Acht lassen. Beides miteinander zu verbinden ist ein erklärtes Ziel des Projekts. Zum anderen wird danach gefragt, ob das immer wieder behauptete ›Wechselverhältnis‹ von Theorie und Übersetzung tatsächlich ein Spezifikum von sprachgebundenen Theorie-Formationen wie der französischen Theorie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist, oder ob der Inblicknahme von Übersetzungsprozessen das Potential eignet, Grundsätzliches über die Entstehung, Vermittlung und Diffusion theoretischen Wissens sichtbar zu machen.


Wissenschaftliche Veranstaltungsaktivitäten

Vortrag “Displacement, Translation and the Becoming of Theory”. 54th American Association of East European & Eurasian Studies, Chigago, 12.11.2022 (https://www.aseees.org/convention)

Vortrag „A rather secretive affair. Translating Walter Benjamin in 1970s Czechoslovakia”. Konferenz Walter Benjamin in the East. Networks, Conflicts, and Receptions, ZfL Berlin, 08.07.2022 (https://www.zfl-berlin.org/veranstaltungen-detail/items/walter-benjamin-in-the-east-networks-conflicts-and-reception.html)

Vortrag „Macura jiná dekonstrukce“, VI. kongress literárněvědné bohemistiky, Ústav pro českou literaturu Akademie věd ČR („Macuras andere Dekonstruktion“, VI. Kongress der literaturwissenschaftlichen Bohemistik, Institut für tschechische Literatur der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik), Prag 30.06.2022 (https://clb.ucl.cas.cz/udalosti/vi-kongres-literarnevedne-bohemistiky/)

Der oder die Gastprofessor*in leitet im Wintersemester ein Übersetzungs-Seminar mit Studierenden der Freien Universität Berlin. Zum Abschluss eines jeden Seminars stellen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Übersetzungsarbeiten in einer öffentlichen Seminarsitzung im Literarischen Colloquium Berlin vor.

Darüber hinaus findet jährlich zu Beginn des Wintersemesters eine öffentliche Antrittsvorlesung der*s jeweiligen Gastprofessor*in statt.


Publikationen

Links

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