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Luxus und Moderne: Die Ambivalenz des Überflüssigen in Kulturkonzeptionen der Literatur und Ästhetik seit dem 18. Jahrhundert

Beginning of funding
01.03.2018
End of funding
28.02.2022

Das Projekt untersucht die ebenso fundamentale wie ambivalente Rolle des Luxus für die moderne Konzeption von Kultur seit dem 18. Jahrhundert, indem es literarische und ästhetische (d.i. kunst- / literaturtheoretische) Luxus-Darstellungen analysiert und mit ökonomischen, philosophischen bzw. anthropologischen und soziologischen Diskussionsbeiträgen vergleicht. Das Luxuriöse fungiert dabei als relative und stets neu auszuhandelnde Kategorie des Überflüssigen, Überschüssigen oder Übermässigen bzw. Nicht-Nützlichen, -Notwendigen oder -Massvollen in materieller, aber auch zeitlicher Dimension.Die These lautet, dass nach der Ablösung des Luxus aus dem theologischen Sündenkontext (›luxuria‹) und den damit verbundenen Aufwertungstendenzen um 1700 eine zentrale (Selbst-)Bestimmung von Kultur im Allgemeinen und Kunst bzw. Literatur im Besonderen über die Relation zum Luxus erfolgt. Auf der Grundlage dieser These wird eine andere Geschichte der Moderne entworfen, die nicht als linearer Nobilitierungsprozess erzählt werden kann. Vielmehr soll der konzeptionellen und imaginativen Ambivalenz in den Wertungen von Luxus Rechnung getragen und die zweischneidige Relation (Kultur als Luxus / Kultur gegen Luxus) im Einzelnen beschrieben werden, um zu einem differenzierten Verständnis der Moderne und ihrer widersprüchlichen Selbstbegründung beizutragen.In historischer Hinsicht geschieht dies mit vier Schwerpunkten (Teilprojekten) innerhalb der modernen Konzept- und Imaginationsgeschichte des Luxus, die sich auf bewusst offene Zeiträume beziehen und heuristisch jeweils eine dominante Entwicklung akzentuieren. Teilprojekt I (Formierungsphase) fokussiert die ›Sattelzeit‹ um 1800, da sich in den besonders intensiven Diskussionen des Themas ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Verhältnis von Luxus und Kultur in seiner modernen Ambivalenz breitenwirksam formiert. Teilprojekt II (Internationalisierungsphase) verfolgt die Transformation des Luxus-Diskurses in den Jahrzehnten um 1850, der sich unter dem Druck der technisch-industriellen Entwicklung in einer kapitalistisch vernetzten Welt internationalisiert. Teilprojekt III (Ästhetizismusphase) untersucht die Fortsetzung dieses Universalisierungstrends um 1900, als die allgemeine Kunst- und Lebensreform den ›schönen‹ Luxus zu einem Merkwort für die Literatur des Fin de siècle macht. Teilprojekt IV (Reflexionsphase) schliesslich konzentriert sich auf den Zeitraum um ›1968‹, dessen kultur- und kunsttheoretischen Debatten das Verhältnis der eigenen ›Überflussgesellschaft‹ zum Luxus dezidiert im Rückgriff auf die Geschichte seiner Konzeptionen und Imaginationen reflektiert und problematisiert.In methodischer Hinsicht leistet das germanistische Projekt einen spezifischen Beitrag zur Rekonstruktion einer allgemeinen Geschichte der grundlegenden Beziehung von Kultur und Luxus. Mit der deutschsprachigen Literatur und Ästhetik seit dem 18. Jahrhundert wird ein Bereich fokussiert, in dem diese Beziehung besonders virulent und zugleich noch wenig untersucht ist. Der komparatistische Einbezug weiterer Sprachen und Kulturen (v.a. der französischen und englischen) und die interdisziplinäre Öffnung auf andere Fächer (namentlich Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Philosophie, Soziologie) versprechen zusätzliche Impulse. Unter dem Aspekt dynamischer Austauschbeziehungen zwischen der Literatur und anderen sozialen Praktiken anstelle klassischer Motiv- und Einflussforschung kann der Beitrag der Literatur zur konzeptionellen und imaginären Produktion von ›Kultur‹ im Allgemeinen wie - selbstreflexiv - zum Verständnis von ›Kunst‹ bzw. ›Literatur‹ spezifiziert werden. Umgekehrt macht das Projekt die Fachkompetenz der Literaturwissenschaft bei der Analyse eines literatur- und kunstaffinen Schlüsselthemas moderner Kultur auch für andere Disziplinen und für die interessierte Öffentlichkeit fruchtbar. Dem bei knapper werdenden Mitteln gegen die Geistes- und Kulturwissenschaften gerne erhobenen Luxusvorwurf begegnet es mit einer Geschichte des modernen Luxus, die einem aktuellen Reflexionsbedarf entspricht.Die Forschungsergebnisse werden in Form von vier Qualifikationsarbeiten, zwei Sammelbänden und Artikeln in peer reviewed Zeitschriften publiziert.

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Fields of research

Literature and cultural studies, Literature and philosophy, Aesthetics, Literature of the 18th century, Literature of the 19th century, Literature of the 20th century
Luxus ; Moderne

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Prof. Dr. Christine Weder

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Université de Genève (UNIGE) / University of Geneva
Département d'Allemand

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Genf
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Orte des Überflusses. Zur Topographie des Luxuriösen
Date of publication: 24.05.2019
Last edited: 24.05.2019