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IVG-Kongress, Graz 2025 Sektion: Unruhe stiften: ökologische Krisennarrative und experimentelle Poetiken des Anthropozäns, Graz

Beginning
20.07.2025
End
27.07.2025
Abstract submission deadline
30.11.2022

Unruhe stiften: ökologische Krisennarrative und experimentelle Poetiken des Anthropozäns

Leitung der Sektion:

Prof. Dr. Paweł Piszczatowski, Universität Warschau, PD. Dr. Urte Stobbe, Universität Vechta/Siegen,
Dr. Alena Heinritz, Universität Innsbruck

Die anthropogene planetarische Umwelt- und Klimakrise bleibt nicht ohne erheblichen Einfluss auf intellektuelle Diskurse im Bereich der Geisteswissenschaften, die eine immer stärker interdisziplinär ausgerichtete Prägung bekommen, die sich vor allem im Netzwerk der Environmental Humanities realisiert, in dem die traditionellen Grenzen zwischen Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften als obsolet gelten. Die ökokritische Perspektivierung der Forschung, die vor allem auf posthumanistischen, postkolonialen, feministischen und biozentrischen Denkmodellen fußt, ist unter anderem darauf ausgerichtet, die anthropozentrische und hegemoniale Auffassung der „westlichen“ Kultur in Frage zu stellen und dadurch eine innovative Herangehensweise an kulturelle Phänomene einzuleiten, in der die herkömmlichen bipolaren Gegenüberstellungen von Natur und Kultur, Subjekt und Objekt, Mensch und Nicht-Mensch in ihrer performativen Verschränktheit gesehen werden. Eine der interessantesten Tendenzen in diesem Bereich ist die Aufwertung der Materie mit ihrer souveränen Agentialität und semiogenetischer Autonomie gegenüber der Vorherrschaft einer sprachlich-diskursiven Weltgestaltung.

All diese intellektuellen Debatten, die sich in den letzten Jahrzehnten vor allem im angloamerikanischen Kulturkreis etabliert haben, tragen auch zur Entstehung innovativer Ausdrucksformen in der Literatur und in anderen künstlerischen Schaffensbereichen bei, durch die die Autor_innen sich gegenüber den Herausforderungen der immer tieferen Krise des traditionellen „humanistischen“ Weltmodells zu positionieren versuchen. Diese vielgestaltige Krise manifestiert sich in Literatur und Kunst oft in apokalyptischen und dystopischen Zukunftsentwürfen, aber auch in sehr innovativen Szenarien einer möglichen Sympoiesis und in experimentellen Schaffenspraktiken, die auf konstruktive Möglichkeiten der Überwindung der Krise ausgerichtet sind. Allen diesen Repräsentationspraktiken ist ein tiefes Bewusstsein gemeinsam, dass wir in Zeiten leben, die uns zum Handeln auffordern und jede Form von Gleichgültigkeit als gefährlich erscheinen lassen. Es geht dabei vorrangig um die Aufrechterhaltung und Vergegenwärtigung eines kritischen Krisenbewusstseins, was die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Lynn Keller in ihrem Konzept des „self-conscious Anthropocene“ thematisiert (Keller 2017). Es geht um ein handlungsmotivierendes Unruhe-Stiften, wie es Donna Haraway in der Einleitung zu ihrem Buch „Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän“ formuliert: „Wir alle auf Terra leben in unruhigen Zeiten, in aufgewirbelten Zeiten, in trüben und verstörenden Zeiten. Die Aufgabe besteht nun darin, reagieren zu können, und zwar gemeinsam und in unserer je unbescheidenen Art. [...] Die Aufgabe besteht darin, sich entlang erfinderischer Verbindungslinien verwandt zu machen und eine Praxis des Lernens zu entwickeln, die es uns ermöglicht, in einer dichten Gegenwart und miteinander gut zu leben und zu sterben. Es ist unsere Aufgabe, Unruhe zu stiften, zu wirkungsvollen Reaktionen auf zerstörerische Ereignisse aufzurütteln, aber auch die aufgewühlten Gewässer zu beruhigen, ruhige Orte wieder aufzubauen.“ (Haraway 2018, 9)

  • Rezeption der angloamerikanischen Konzeptionen des Posthumanismus in der germanistischen Literatur- und Kulturwissenschaft

  • Environmental Humanities als Vorschungsbereich und Lehrpraxis an deutschprachigen Universitäten

  • Animal und Plant Studies in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie im Bereich der Auslandsgermanistik

  • ökokritische Ansätze in der gegenwärtigen Literaturtheorie

  • Beitrag der Auslandsgermanistik zu den interdisziplinären Diskursen im Bereich der Environmental Humanities

  • ökozentrische Ausdrucksformen und Schaffenspraktiken in der Literatur und Kunst im deutschsprachigen Raum (auch in diachroner Sicht)

  • das Verhältnis von Mensch und Umwelt in literatur- und kulturhistorischer Perspektive

  • vormoderne Formen der holistischen Weltbetrachtung aus der Sicht der gegenwärtigen posthumanistischen Diskurse

  • deutschsprachige Literatur im postkolonialen Kontext in Bezug auf das traditionelle Wissen der indigenen Völker

  • Ökofeminismus im germanistischen Kontext

  • Anthropomorphisieren von Tieren und Animalisieren von Menschen in der deutschsprachigen Tradition

  • Hybridität, Transgression und Queerness in posthumanistischer Perspektive

  • ökologische Krisennarrative: Ökothriller, Science Fiction, Klimawandelroman

  • ökologische Utopien und Dystopien in Literatur und Film

  • deutschsprachige Gegenwartslyrik und ökokritische Poetiken.

Wir freuen uns auf Ihren Abstract im Umfang von max. 2.000 Zeichen, den Sie bitte zusammen mit Angaben zu Ihrer Person bis zum 30. November 2022 an p.piszczatowski@uw.edu.pl  senden.
Bis zum 15. Dezember 2022 werden wir unter den Einsendun­gen eine Auswahl treffen und uns bei Ihnen zurückmelden. 

Für die Teilnahme an der IVG-Konferenz 2025 in Graz ist im Anschluss eine Anmeldung bei der IVG notwendig.

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Fields of research

Literature from Germany, Austria, Switzerland, Feminist studies, Gender Studies/Queer Studies, Postcolonial studies, Ecocriticism, Literature and natural science, Literature of the 21st century

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Submitted by: Alena Heinritz
Date of publication: 21.09.2022
Last edited: 21.09.2022