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Collage/Montage in Kunst und Literatur von den 1960er Jahren bis heute. Praktiken und Theorien im Kontext von Popkultur, Postmoderne und Digitalisierung

Beginning
24.02.2022
End
26.02.2022
Abstract submission deadline
31.05.2021

Call for papers zur Tagung:

Collage/Montage in Kunst und Literatur von den 1960er Jahren bis heute
Praktiken und Theorien im Kontext von Popkultur, Postmoderne und Digitalisierung

24.–26.2.2022, Friedrich-Schiller-Universität Jena (Kunstgeschichte, Germanistische Literaturwissenschaft)

Seit den 1960er Jahren erlebt die Collage/Montage eine anhaltende Konjunktur. In der Gegenwartskultur ist sie geradezu ubiquitär – nicht nur in bildenden Künsten und Literatur, sondern auch als Gestaltungsprinzip von Ausstellungen, Theaterinszenierungen, Musikvideos, Werbung etc. Unter neuen kulturellen, politischen und medientechnologischen Rahmenbedingungen eignete man sich dabei das künstlerische Prinzip des Zerschneidens und Zusammenfügens vorgefundenen Materials neu an, das die Avantgarden im frühen 20. Jahrhundert entwickelt hatten. Damals wurden damit nicht nur tradierte Vorstellungen von Werk, Künstler- bzw. Autorschaft und Repräsentation in Frage gestellt, sondern auch kulturrevolutionäre Erwartungen verknüpft. Walter Benjamin, Bertolt Brecht und Ernst Bloch, die der Montage in den 1930er Jahren eine erkenntnistheoretische und gesellschaftskritische Funktion zuschrieben, prägen den theoretischen Diskurs bis heute.

Die interdisziplinäre Tagung fragt danach, wie dieses ästhetische Prinzip seit den 1960er Jahren transformiert, neu- und umgedeutet wurde, und konzentriert sich dabei auf die bildenden Künste und die Literatur im deutschsprachigen Raum. Das Augenmerk richtet sich vor allem auf die neuen Formen, Verfahren und Semantisierungen von Collage/Montage, die meist damit verbundenen – um genderkritische und dekoloniale Perspektiven erweiterten – gesellschaftspolitischen Impulse sowie deren theoretische Reflexion in Kunst- bzw. Literaturkritik und philosophischer Ästhetik.

Im Bereich der bildenden Künste reicht das Spektrum von der Weiterentwicklung der Papiercollage und Fotomontage (Jiří Kolář, VALIE EXPORT, Astrid Klein, Cornelia Schleime, Thomas Hirschhorn, Amelie von Wulffen u.a.) über Spielarten räumlich-dinglicher Collageformen wie Assemblage, Environment und collagierte Skulptur (Daniel Spoerri, Jean Tinguely, Wolf Vostell, Nam June Paik, Isa Genzken u.a.) und die Erweiterung des Prinzips Collage/Montage ins Zeitlich-Performative (FLUXUS, Joseph Beuys, Erwin Wurm, Jakob Lena Knebl u.a.) bis hin zu seiner technologischen Erweiterung durch Video und digitale Bildtechnologie (Marcel Odenbach, Pipilotti Rist, Stephan Huber, Ed Atkins u.a.).

Im Bereich der Literatur reicht das Spektrum von der Konkreten Poesie (Franz Mon, Helmuth Heißenbüttel, Gerhard Rühm, Konrad Bayer), über die Pop- und Cut up-Literatur (Rolf Dieter Brinkmann, Jürgen Ploog, Carl Weissner, Ralf-Rainer Rygulla), das neue Hörspiel (Ferdinand Kriwet, Hubert Fichte u.a.), die Montagetexte Alexander Kluges und die Textcollagen Herta Müllers bis zu den Mix- und Sampling-Verfahren in der Pop-Literatur der 1990er Jahre (Rainald Goetz, Thomas Meinecke u.a.) und zum postdramatischen Theater (Elfriede Jelinek, Kathrin Röggla, Rimini Protokoll u.a.).

Folgende Aspekte verdienen besonderes Interesse:

1. Wie reagieren Kunst und Literatur auf die Omnipräsenz von Montage in der kommerziellen, visuell geprägten Populärkultur und wie lässt sich ‚Schock‘, ‚Attraktion‘, ‚Dissoziation‘ etc. unter diesen Bedingungen ein emanzipatorisches Potential zuschreiben? Wie hat sich die politische, gesellschaftskritische Dimension von Collage/Montage im Vergleich zu den 1920er/1930er Jahren verändert und aktualisiert, wie wird sie theoretisch neuformuliert?

2. Wie verhält sich Collage/Montage zur postmodernen Kritik an den Fortschrittsideen der Moderne? Handelt es sich um ein genuin modernistisches Prinzip oder zeigt sich darin bereits Anfang des 20. Jahrhunderts eine Affinität zum postmodernen Prinzip der ‚Bricolage‘? Lassen sich modernistische und postmoderne Verfahren der Collage/Montage klar voneinander abgrenzen? Wie unterscheidet sich ‚Sampling‘ von Montieren?

3. Welche Konsequenzen hat die Digitalisierung als die zentrale technologische Neuerung der letzten Jahrzehnte für Collage/Montage? Welche neuen künstlerischen Verfahren hat sie hervorgebracht, was bedeutet sie für das Verständnis von vorgefundenem ‚Material‘ und ‚Realität‘ und welche Konsequenzen hat sie für die der Collage/Montage innewohnende Spannung zwischen ‚Dissoziation‘ und ‚Totalität‘?

Erwünscht sind Beiträge zu Künstler*innen oder Autor*innen, Strömungen oder neuen Gattungen, zu einzelnen Arbeiten/Werken oder Werkgruppen oder auch zu deren Theoretisierung insbesondere im deutschsprachigen Raum von den 1960er Jahren bis heute, die diese im Horizont von einem oder mehreren der genannten Aspekte beleuchten, ggf. auch in einem internationalen Kontext.

Veranstalter*in Prof. Dr. Verena Krieger (Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften), Prof. Dr. Gregor Streim (Institut für Germanistische Literaturwissenschaft), Friedrich-Schiller-Universität Jena, Fürstengraben 18, 07743 Jena, Deutschland

Abstracts von max. 1 Seite bitte bis zum 31.5.2021 einreichen bei:
verena.krieger@uni-jena.de und gregor.streim@uni-jena.de

Source of description: Information from the provider

Fields of research

Literature and other forms of art, Literature and cultural studies, Literature of the 20th century
Collage ; Montage ; Popkultur ; Postmoderne ; Digitalisierung

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Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU)

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Fürstengraben 18
07743 Jena
Germany
Date of publication: 19.03.2021
Last edited: 19.03.2021