Einzelprojekte

Figurationen des Übergangs

Kunst und Wissenschaft können allgemein als diejenigen Bereiche gelten, in denen über „das Leben“ schlechthin nachgedacht wird, wo im Speziellen aber auch Reflexionen über die Voraussetzungen und Möglichkeiten der eigenen Praxis erfolgen.  Der Programmbereich FIGURATIONEN DES ÜBERGANGS thematisiert Zonen und Dynamiken zwischen Leben und Tod, Individuum und Kollektiv, Kunst und Leben. Er widmet sich Gestalten und Gestaltungen des Transitorischen in den Künsten sowie in der kulturellen Imagologie und konturiert Stationen einer Kulturgeschichte des Schöpferischen und der Zerstörung, von Anfang und Ende.

Themenfeld 1: Figuren, Szenarien/Narrative und Ästhetiken des Übergangs

Das erste Themenfeld widmet sich konkreten Erscheinungsformen der Transition (Motive, Themen, Handlungsmuster und ‑verläufe), die die Künste im Laufe ihrer Geschichte entwerfen. Dazu soll auf einer Meta-Ebene nach Figurationen von künstlerischer Urheberschaft und Medialität gefragt werden.

Mit Figuren der Grenze wird das breite Inventar von liminalen Gestalten adressiert, von der Personifikation des Todes über  Grenzfiguren an der Schwelle zum Tod oder zwischen Lebendigem und Unbelebtem – Gespenster, Vampire, Homunculi, Cyborgs, Automaten, Roboter. In der Gestalt des Hermaphroditen und generell in Formationen des Androgynen erscheint Genderidentität als bloß phantasierte Gegebenheit. – Unter Szenarien/Narrative des Übergangs geht es um literarische, bildkünstlerische und musikalische Handlungstopoi des Übergangs wie Erweckung, Erscheinung, Verlebendigung oder getäuschte Wahrnehmung. – Eine Figur an den Schwellen der Textgenese, der Textregie und der Texthandlung ist der Urheber/die Urheberin des Kunstwerks. – Archiv und Performanz untersucht auf einer Meta-Ebene Medien der Bewahrung und der Aktualisierung der Künste. – Life Sciences and Death Studies fragt nach der Rolle der (Kultur- und Natur-) Wissenschaften bei den Grenzbestimmungen von Leben und Tod.

Themenfeld 2: Beginnen und Enden: Kulturgeschichten des Schöpferischen

Das zweite Themenfeld fragt, wie das Neue in die Welt kommt – und wieder hinaus. Es sollen sich Stationen einer Kulturgeschichte des Schöpferischen und der Zerstörung, von Anfang und Ende abzeichnen.

Einsatz und Endspiel, Genesis und Apokalypse thematisieren historische und aktuelle künstlerische und literarische Modelle von Weltanfang und Weltende. – Unter Geschlossenes und offenes Kunstwerk: Schwellen zwischen Kunst und Welt geht es um das Bild vom Kunstwerk als Organismus, das eine lange Reihe von Natur-/Kultur-Hybriden in Kunst, Kunsttheorie, Poetik und Lebenswissenschaft eröffnet. Die Frage nach Anfang und Ende stellt sich dann aber auch ganz konkret am einzelnen Kunstwerk: Wie setzen Text und Bild ihren Anfang und wie können sie enden? –Beseelung und Ansteckung nimmt den Übergang als Beseelung, Begabung und Belebung unbelebter Dinge in den Blick, sei es als Inspiration, als Hauch, als numinoses, erotisches, natürliches oder technisches Ereignis. – Weiterleben, Wiedergeburt, Reenactment stellt die Frage nach dem Leben nach dem Tod in der Kunst. Im paradoxen Motiv des Weiterlebens im Werk wird eine schattenhafte Weiterexistenz in Aussicht gestellt, in der der eigene Tod überlebt werden soll. Die Renaissancen – ‚Wiedergeburten‘ von Gattungen, Epochenstilen oder von ganzen Epochen – verfolgen unter historischer Maske robust eigene Zwecke (wie u.a. an der Renaissance des Architektur- und Literaturbarock im Neobarock zu zeigen sein wird, einem der Gründungskontexte der Salzburger Festspiele).

 

Thema 3: Übergänge zwischen Kunst und Leben

 Das dritte Themenfeld befasst sich mit den Oppositionen von Kunst und Leben, Individuum und Kollektiv, Endlichkeit und Unendlichkeit und Versuchen, diese Oppositionen zu überwinden.

 

Kunst und Lebenspraxis – Lebenskunst: Wie ist die Zone, der Übergang zwischen Kunst und Leben zu denken? Neuere Versionen der sehr alten Lehren von der Lebenskunst (ars vitae/ars bene vivendi und moriendi) betonen das Kunstanaloge in der bewussten Gestaltung von Lebensbezügen, wobei ‚Lebenskunst‘ ethische und politische Dimensionen integriert. – Entfiktionalisierung und Authentizität: An der Kunst/Leben-Grenze operieren seit jeher die künstlerischen Realismusprojekte mit dem Vorsatz der mimesis oder der „Nachahmung der Natur“. Anders als früher treten heute Aspekte von Performanz, Körperlichkeit und Dinglichkeit in den Vordergrund; „Realismus“ könnte überhaupt als Form von Praxis beschrieben werden. – Ästhetische Praxeologie schließlich fragt nach einem Begriff von Kunst als Praxis, deren Grenzen zur Lebenswelt hin offen sind und in der die institutionalisierten Künste als Grenzfälle umfassender ästhetischer Praktiken begriffen werden. Lässt sich hier an vormoderne Verständnisse von Kunst (wie die artes) anschließen, um neue pädagogische und alltagsästhetische Formen zu entwickeln? Lassen sich hier auch neue Konzepte für Wissenschaft und Wissenschaftsdidaktik entwickeln? Lassen sich Wissenschaft und Kunst damit in ein neues Verhältnis setzen?

 

Quelle der Beschreibung: Information des Anbieters

Forschungsgebiete

Literaturgeschichtsschreibung (Geschichte; Theorie), Literaturtheorie, Literatur und andere Künste, Literatur und Soziologie, Literatur und Kulturwissenschaften/Cultural Studies, Literatur und Philosophie, Literatur und Medienwissenschaften, Poetik, Ästhetik
Figuration ; Übergänge

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Veranstaltungen

H.C. ARTMANN in seinen Sprachen und die Kunst der Übersetzung. Internationale Tagung zum 100. Geburtstag; Praktiken des Neobarock in der Moderne, Salzburg und online; Kunst und Gebrechen (Online-Tagung)
Datum der Veröffentlichung: 17.05.2021
Letzte Änderung: 17.05.2021