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Werkstattgespräch zu Johann Fischarts ‚Daemonomania Magorum‘. Kommentar zur deutschen Übersetzung von Bodins Dämonologie

Beginn
10.04.2019
Ende
10.04.2019

Werkstattgespräch zu Johann Fischarts ‚Daemonomania Magorum‘. Kommentar zur deutschen Übersetzung von Bodins Dämonologie (10. April 2019, Universität Heidelberg)

Am 10. April 2019 findet am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg das fünfte Werkstattgespräch zur Edition und Kommentierung von Johann Fischarts ‚Daemonomania Magorum‘, der deutschen Übersetzung von Jean Bodins ‚Démonomanie des sorciers‘ (1580), statt.

In diesem Jahr wird der Schwerpunkt auf Astrologie und anderen Formen der Vorhersage und Zukunftsdeutung liegen. Bodin und Fischart arbeiten an der Frage, inwiefern die Erforschung der Zukunft legitime Ausübung des gottgegebenen Verstandes und inwieweit sie illegitime und sündhafte Ermächtigung ist. Im Rahmen der Darstellung des Hexereidelikts entfaltet sich dabei eine breite Abhandlung gelehrter Auseinandersetzungen, wodurch dieses Werk auch symptomatisch für Fragen der Wissenschafts- und Wissensgeschichte wird. Behandelt werden nicht zuletzt auch Reizthemen konfessioneller Auseinandersetzungen. Vor dem Hintergrund einer Vollrezeption antiker, mittelalterlicher und neuzeitlicher Positionen zu diesen Sachverhalten und mit Ausgriff auf jüdische Traditionen (Maimonides u.a.) erfolgt hier die Beobachtung eines verwerfungsreichen Diskurses aus der sehr speziellen Perspektive der beiden Juristen, die im Rahmen der Hexenverfolgungen aktiv waren.

Ziel des DFG-geförderten Projektes sind die kritische Edition sowie die ausführliche interdisziplinäre Kommentierung von Johann Fischarts Daemonomania Magorum (Erstausgabe 1581), einer Übersetzung der Démonomanie des sorciers des französichen Juristen und Staatstheoretikers Jean Bodin (Erstausgabe 1580). Dieses zentrale Werk gelehrter Hexenliteratur vereint auf fast 800 Druckseiten in enzyklopädischem Ausmaß umfassende Felder wissensvermittelnder Literatur der antiken, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Quellen und zeitgenössiche Prozessberichte, um diese für den Hexendiskurs des 16. Jahrhunderts nutzbar zu machen und sie gegen den von Johann Weyer in De Praestigiis Daemonum (Erstausgabe 1563) angeführten Melancholiediskurs zu instrumentalisieren. Bodins komplexer Text greift auf verschiedenstem Wissensfelder der frühen Neuzeit aus: unter anderem auf die Rechtswissenschaft, Medizin, Thelologie, Philosophie, diverse Philologien sowie den zeitgenössichen dämonologischen Diskurs. In der interessengeleiteten, mit umfassenden Erweiterungen versehenen deutschen Übertragung erfolgen kulturelle Transformationen und signifikante konfessionelle Anpassungen. Der Text ist insofern Dokument transkultureller und zwischen verschiedenen Wissensfeldern operierender Transformationsprozesse im frühneuzeitlichen Europa, jedoch als solcher bislang kaum gewürdigt worden. Auch eine philologische Erschließung des Textes steht aus. Ziel ist es, den Lesern unterschiedlicher Disziplinen einen Zugang zu diesem komplexen Text zu ermöglichen, welcher vor allem durch Vorwissen erschwert wird. Angestrebt wird ein in hohem Maße konsultierbarer Kommentar, der gleichermaßen Quellenerschließung betreibt und eine dämonologische Quellenhermeneutik nachvollziehbar macht, die sprachliche Produktivität der Übersetzung würdigt und Interpretationshilfen bereitstellt.

Zeitplan

10.00 Uhr: Meet & Greet bei Kaffee und Croissants

10.30 Uhr: Eröffnung und Bericht über den Stand der Projektarbeit (Tobias Bulang)

10.45 Uhr: Impuls: Ideengeschichte der Astronomie und Astrologie (Helge Perplies)

11.00 Uhr: Aussprache über die astronomisch-astrologischen Passagen des Kapitels I,5

12.30 Uhr: Gemeinsames Mittagessen

14.00 Uhr: Impuls: Legitime und illegitime Mittel der Zukunftsvorhersage (Joana van de Löcht)

14.15 Uhr: Aussprache über die weiteren Divinationspraktiken

15.15 Uhr: „Konnte nicht ermittelt werden“: Diskussion nicht geklärter Lemmata

Weitere Informationen können Sie unserer Projekt-Homepage entnehmen (https://www.gs.uni-heidelberg.de/abteilungen/mediaevistik/bulang/fischart.html). Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Martin Schneider an (sekretariat.bulang@gs.uni-heidelberg.de), der Ihnen auch gerne unsere Arbeitsmaterialien zukommen lässt.

Quelle der Beschreibung: Information des Anbieters

Forschungsgebiete

Übersetzung allgemein
Dämonologie ; Johann Fischart ; Jean Bodin

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Einrichtungen

Universität Heidelberg
Gemanistisches Seminar

Adressen

Heidelberg
Deutschland
Datum der Veröffentlichung: 21.03.2019
Letzte Änderung: 21.03.2019