Konferenzen, Tagungen

Anna Seghers und Bertolt Brecht im Kontext literarischer Debatten

Beginn
23.11.2018
Ende
25.11.2018

28. Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e.V.
Anna Seghers und Bertolt Brecht im Kontext literarischer Debatten
Potsdam/ Berlin, 23. – 25. November 2018
Universität Potsdam – Campus Griebnitzsee: August-Bebel-Straße 89, Haus 6, R. S18, 14482 Potsdam
Literaturforum im Brecht-Haus: Chausseestraße 125, 10115 Berlin
Akademie der Künste: Pariser Platz 4, 10117 Berlin

Anna Seghers und Bertolt Brecht

Die frühe literarische Arbeit beider – geprägt u.a. von der Schule des Expressionismus, der Figur des Amoralischen oder der gemeinsamen Faszination für chinesische Philosophie und Kultur – wurde von viel Anerkennung begleitet. So erhielt beispielsweise Brecht im Jahre 1922 den renommierten Kleist-Preis, welcher 1928 auch an Seghers verliehen wurde.

Das zunehmende kulturpolitische Engagement im Sinne der marxistischen Gesellschaftstheorie schloss u.a. ihre Beteiligung an der Entwicklung der Konzeption des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller Deutschlands (BPRS) ein, wo auch jene Schichten der „linken“ Intelligenz, die bis dato von der KPD als Mitläufer oder im besten Falle als Geburtshelfer für die neue revolutionäre proletarische Kunst verstanden wurden, Aufnahme finden sollten. Beide gehörten 1932, als der Vormarsch der faschistischen Bewegung zur Machtübernahme im Alltag, in der Presse oder in Hochschulen weit vorangeschritten war, der neugewählten Bundesleitung des BPRS an. Ihre divergierenden Ansichten zur Rolle des Arbeiterschriftstellers für die sich entwickelnde proletarische Literatur brachten beide in die Debatten ein.

Ab 1933 führte diese prominente Stellung zu Verfolgung und Flucht aus Deutschland. Die vage Idee zur Gründung einer gemeinsamen Künstlerkolonie nahe Lugano blieb unerfüllt. Beide wurden zu „Passanten ihrer Zeit‟ (Max Frisch) und verbrachten ihre Exiljahre in mehreren Ländern. Während Bertolt Brecht über Prag, Paris und Skandinavien in die USA floh, fand Anna Seghers zunächst in Paris Zuflucht. Der Ausbruch des Krieges vertrieb sie bis nach Mexiko, wo sie bis 1947 blieb. In der ersten Phase des Exils waren beide Schriftsteller in die Expressionismus-Debatte involviert, die 1937 in der Zeitschrift „Das Wort“ von Alfred Kurella ausgelöst worden war. Zu dessen Behauptung, am Bekenntnis des Dichters Gottfried Benn zum Faschismus erweise sich, wie aus dem Geist des Expressionismus solches entstünde, sind Positionsbestimmungen überliefert, sowohl von Brecht als Herausgeber der in Moskau erscheinenden Zeitschrift als auch von Seghers, die in dieser Debatte von einem Gefühl des „Unbefriedigtseins“ aus mit Georg Lukács den Briefaustausch suchte. Die Beteiligung an den Exildebatten sowie ihre dezidiert antifaschistische Haltung – die sich schon früh auf eine möglichst breite Koalition aller Hitlergegner orientierte – spiegeln sich in den Arbeiten jener Jahre wider. Neben thematischen, biografischen und politischen Parallelen zeigt sich der wechselseitige Bezug durch öffentlichkeitswirksame Beiträge in den jeweiligen Exilkreisen und -zeitschriften.

Während Seghers aus dem Exil 1947 nach Deutschland zurückkehrte, erreichte Brecht im gleichen Jahr die Schweiz. Seinem Ersuchen um die österreichische Staatsbürgerschaft wurde im April 1950 stattgegeben. Beide entschieden sich schlussendlich für die neugegründete DDR als neue Heimat. Gleichwohl waren sie von der Kampagne gegen westliche Dekadenz – eröffnet in der „Täglichen Rundschau‟ im Januar 1951 – betroffen. Wie sich Anna Seghers und Bertolt Brecht in dieser und anderen Debatten positionierten, darüber soll unsere Konferenz näher Auskunft geben.

Wir danken allen Personen und Institutionen, die die Tagung ermöglicht haben, insbesondere der Universität Potsdam, Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft, der Script Buchhandlung Potsdam, dem Thalia Filmtheater in Potsdam, dem Literaturforum Berlin, der Stadt Mainz sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V.

Quelle der Beschreibung: Information des Anbieters

Forschungsgebiete

Literatur aus Deutschland/Österreich/Schweiz, Literatur des 20. Jahrhunderts
Anna Seghers, Bertolt Brecht

Links

Einrichtungen

Universität Potsdam
Akademie der Künste
Literaturforum im Brecht-Haus (Lfb)

Adressen

August-Bebel-Straße 89, Haus 6, R. S18
14482 Potsdam
Deutschland
Pariser Platz 4
10117 Berlin
Deutschland
Chausseestraße 125
10115 Berlin
Deutschland
Datum der Veröffentlichung: 19.12.2018
Letzte Änderung: 19.12.2018