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Obszönität – Jenseits des (guten) Geschmacks. Kultur- und gesellschaftswissenschaftliche Betrachtungen eines notorisch unscharfen Begriffes

Beginn
27.07.2019
Ende
28.07.2019
Deadline Abstract
15.04.2019

Nachwuchskonferenz, Münster, 27. Juli 2019 bis 28. Juli 2019 

Als obszön gilt, was Anstoß erregt. Rezeptionsästhetisch ist Obszönität auf diese Weise umschrieben. Eine inhaltlich perspektivierte Definition zu treffen, fällt hingegen deutlich schwerer. Damit ist ein grundlegendes Problem des Begriffes benannt: Obszönität lässt sich ausschließlich ex negativo beschreiben, weil sie eine Provokation bezeichnet, also nur auf der Folie nichteingehaltener Normen erkannt und benannt werden kann.  Als Phänomen ist Obszönität omnipräsent und transgressiv. Sie kommt nicht nur in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen vor – wo etwas als obszön beurteilt wird, vermischen sich Kategorien des Geschmacks, der Ethik und Ästhetik. Ursache für die Ubiquität und das Grenzüberschreitende des Obszönen scheint zum einen der Umstand zu sein, dass es sich hierbei um eine Provokation dezidiert geschmacklicher Natur handelt, die aber für moralische und ethische Bewertungen adaptabel ist. Die Beurteilung von etwas als „obszön“ ergibt sich demnach nicht logisch, sondern basiert auf subjektiver individueller respektive kollektiver Wahrnehmung. So stellen sich Fragen nach der Funktion, der Beschaffenheit und den Konsequenzen von Obszönität. Sie sollen während der Diskussion unter vier unterschiedlich perspektivierte Aspekte gefasst werden, die die übergeordneten Programmpunkte der Tagung bilden:  

1) Historische Kontexte und Diskurse von Obszönität und deren künstlerische Ausformung 

Um die Variationsbreite und Differenzen von Obszönität in sozialen, politischen und kulturellen Diskursen herauszuarbeiten, soll Obszönität interdisziplinär als rezeptionsästhetischen Mechanismus sowohl über eine diskursive wie auch über eine historische Perspektive in den Blick genommen werden.  Dabei soll es auch darum gehen, die literarische bzw. künstlerische Varianz des Obszönen im Spiegel seiner kulturellen Kontexte in den Blick zu nehmen.  

2) Ökonomie der Obszönität 

Das Prädikat der Obszönität ist ein marketingstrategisches Ausrufezeichen, das geschmackliche Extravaganz beschwört.1 Insofern versteht sich eine „Ökonomie der Obszönität“ als Strategie der Aufmerksamkeitsregulation. Zu fragen ist, unter welchen Bedingungen und in welchen Zusammenhängen diese Inszenierungsstrategie von Erfolg geprägt ist, wann sie scheitert und warum.   

3) Dynamik der Obszönität 

Unter diesem Punkt sollen Beiträge versammelt werden, die sich damit beschäftigen, inwiefern ein einzelner als obszön wahrgenommener Akt in Diskussionen und Diskursen gleichsam eine Art ‚obszönes Register‘ aufruft, also gewissermaßen als Impuls für eine „Dynamik der Verrohung“ fungiert. So ließe erstens sich nach spezifischen Markern und Distinktiva von Diskussionsbeiträgen und Diskurszeugnissen suchen, die als obszön gelten. Gleichermaßen muss bestimmt werden, anhand welcher Parameter das Prädikat der Obszönität in welchen Kontexten vergeben wird. Daraus hervorgehend ließe sich in einem zweiten Schritt rekonstruieren, inwiefern die Rezeption von Obszönität selbst wieder Obszönität hervorbringt. Das beinhaltet ebenfalls die Frage danach, ob es sich dabei um Prozesse der Verstärkung, Umlenkung oder Abschwächung handelt und wie diese differenziert und klassifiziert werden können. 

4) Strategien und Methoden der Obszönität 

Neben seiner Existenz als Geschmacksurteil ist Obszönität vor allem eine Inszenierungsstrategie. Unter diesem Aspekt, anknüpfend an den Themenkomplex 1), soll hauptsächlich untersucht werden, wie Obszönität in verschiedenen Medien und Kontexten inszeniert wird. Leitende Fragestellung ist, ob es über verschiedene Themen, Medien und Diskurse hinweg identifizierbare Strategien gibt, Obszönität zu inszenieren. 

Über die Grenzen wissenschaftlicher Disziplinen hinweg soll dem diffusen Phänomen der Obszönität so mehr Konturschärfe abgewonnen werden. Denkbar sind – zum Beispiel aber nicht ausschließlich – Beiträge aus kultur-, politik-, gesellschafts- oder literaturwissenschaftlicher Perspektive.  

Es wird um die Einsendung von Abstracts (max. 2500 Zeichen mit Leerzeichen) mit Themenvorschlägen für 20-minütige Vorträge bis zum 15.04.2019 an Sona Arasteh-Roodsary (arasteh.roodsary@uni-muenster.de) gebeten. Es wird ebenso um Einreichungen gebeten, die Aspekte des Themas beleuchten, welche nicht von den vier vorgeschlagenen Blöcken abgedeckt werden. Die Ausschreibung möchte insbesondere den wissenschaftlichen Nachwuchs zu einer Bewerbung aufrufen.  

Für weitere Rückfragen jeder Art steht das Organisationsteam selbstverständlich jederzeit zur Verfügung. Auch hier wird darum gebeten, sich stellvertretend für das gesamte Organisationsteam an Sona Arasteh-Roodsary (arasteh.roodsary@uni-muenster.de) zu wenden.  

Die Veranstaltung wird im Rahmen der Programmlinie „Stipendiaten und Stipendiatinnen machen Programm“  von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Für die Teilnehmenden wird eine Konferenzgebühr in Rechnung gestellt werden, die vor der Teilnahme zu entrichten ist. Für Stipendiat*innen der Studienstiftung des deutschen Volkes beträgt diese Eigenbeteiligung 20€/Veranstaltungstag bei Inanspruchnahme der bereitgestellten Übernachtungsmöglichkeit und 15€/Veranstaltungstag bei eigener Organisation der Übernachtung. Für externe Teilnehmende oder Alumni/Alumnae beträgt die Eigenbeteiligung 50€IVeranstaltungstag bzw. 30€/Veranstaltungstag. Im Falle einer Absage nach bereits erfolgter Anmeldung kann die Eigenbeteiligung nur dann vollständig erstattet werden, falls nachgewiesen werden kann, dass es sich um Fälle „höherer Gewalt“ handelte (Krankheit, unvorhergesehene Prüfungstermine etc.).

Quelle der Beschreibung: Information des Anbieters

Forschungsgebiete

Rezeptionsästhetik, Interdisziplinarität, Literatur und Kulturwissenschaften/Cultural Studies
Obszönität

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Universität Münster

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Münster
Deutschland
Datum der Veröffentlichung: 14.03.2019
Letzte Änderung: 14.03.2019