CfP/CfA Veranstaltungen

Kafka und Griechenland

Beginn
15.05.2020
Ende
16.05.2020
Deadline Abstract
16.12.2019

CFP zur internationalen Konferenz „Kafka und Griechenland“. Athen 15./16. Mai 2020

Veranstalter: Fachbereich für Deutsche Sprache und Literatur der Philosophischen Fakultät an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen

Das ausgeschriebene Thema „Kafka und Griechenland“ impliziert die These, dass hier ein besonderes Wechselverhältnis ins Blickfeld gerückt werden könne. Vor dem Hintergrund einer Forschungslandschaft, deren Räume und Territorien bereits vielfach abgeschritten, besetzt, erkundet und kartographiert worden sind, erscheint dies auf den ersten Blick keineswegs selbstverständlich: Aspekte, die Griechenland betreffen, wurden zwar immer wieder dankbar von der Kafka-Forschung aufgegriffen, blieben in ihrer Betrachtung jedoch oftmals zu eng fokussiert und fanden daher auch nur bedingt Aufmerksamkeit und Reflexion. Wenn es sich dennoch lohnt, dem Thema einen größeren Betrachtungsrahmen zu geben, so liegt das vor allem an der Vielfalt seiner Facetten, die auf ein breitgefächertes Themenspektrum schließen lassen und von der Forschung in ihrer Komplexität bislang nur ungenügend beachtet wurden. Dies zu erfassen soll auch Ziel der Konferenz sein.

Griechenland-Bezüge sind punktuell in der Kafka-Forschung immer wieder hergestellt und unterstrichen worden. Insbesondere mythische Figuren wie Odysseus, Poseidon und Prometheus wurden exemplarisch zur Veranschaulichung grundlegender, und keineswegs nur literaturwissenschaftlicher Zusammenhänge herangezogen. Vereinzelt wurde auch auf Klassikerlektüren und -einflüsse sowie auf relevante Motive und Themen hingewiesen, und gelegentlich führten poetologische bzw. begriffliche Erkundungen auf griechische Ursprünge. Ebenso machten Biografen auf Kafkas mühsam erworbene Griechischkenntnisse vor dem Hintergrund seiner humanistischen Gymnasialbildung aufmerksam.

Dennoch, eine zusammenhängende Diskussion des weit vielschichtigeren Themenkomplexes „Kafka und Griechenland“ hat es bis heute nicht gegeben. Selbst in den einschlägigen Handbüchern finden sich stets nur vereinzelte Annäherungen. Eine Verbindung oder Kontextualisierung mit anderen naheliegenden Themenbereichen (wie sie z.B. in Arbeiten zu „Kafka und China“ oder in „Kafka und das Judentum“ inzwischen selbstverständlich sind), ist bis heute Desiderat geblieben. Was wusste der Prager Autor eigentlich genau über Griechenland auf Basis seiner literarischen und gymnasialen Bildung? Und was wusste er jenseits der klassischen Bildungshorizonte von dem realen Griechenland, z.B. den Balkankriegen, in die Österreich-Ungarn verwickelt war? Auch die Tragweite unterschiedlichster Bilder und Konstrukte des „Griechischen“, des „Griechentums“, des „Südens“ etc., denen Kafka in zeitgenössischen (Identitäts-)Diskursen begegnete, ist bislang unterschätzt worden – obgleich hier durchaus Querverbindungen zu seinem Werk zu ziehen wären. Nicht zuletzt kursierten in seinem engeren Prager Umfeld einige in dieser Hinsicht höchst bemerkenswerte Beiträge. 

Umgekehrt bedarf aber auch die Rezeptionsgeschichte Kafkas in Griechenland dringend einer Aufarbeitung. Bisher liegen nur sehr wenige Untersuchungen vor – was keineswegs der wachsenden Popularität des Prager Autors hierzulande entspricht. Weiterführende Studien zur Aufnahme und Wirkung Kafkas in Griechenland – z.B. zu Übersetzungen, Werkausgaben, Anklängen in der griechischen Literatur, Kunst und Gesellschaft – wären aktuell notwendig und sind im Grunde längst überfällig. Auch die Geschichte der Übersetzungen Kafkas, einschließlich der besonderen Herausforderungen, die Kafkas Werk für Übersetzer bilden kann, ist bislang noch nicht dokumentiert worden. 

Ausgehend von diesen Überlegungen möchte das Symposium eine möglichst umfassende Diskussion des Rahmenthemas eröffnen. Gesucht werden Beiträge zu folgenden Schwerpunkten:

  1. Kafka-Texte mit Griechenlandbezug – Themen, Figuren, Mythen, Aphorismen etc.
  2. Kafkas Griechenland-Lektüren
  3. Kafka und die griechische Philosophie
  4. Die Prager Literatur und ihre Räume der Sehnsucht (Antike, Mittelmeer, Süden ...)
  5. „Griechentum“ in Identitäts-Diskursen der Prager Moderne
  6. Kafkas Narrative der Geschichtsschreibung
  7. Bildungskonzepte um 1900: Altgriechisch an Prager Gymnasien
  8. Die Wahrnehmung des aktuellen Griechenlands (Kafka, Prager-Sicht, z.B. des Balkankriegs)
  9. Kafka-Rezeption in Griechenland (Literatur, Kunst, Philosophie)
  10. Kafka im öffentlichen Diskurs (Zeitschriften, Zeitungen etc.)
  11. Griechische Kafka-Editionen und Werkausgaben
  12. Zur Frage der Kafka-Übersetzungen
  13. Kafkas Image: Was wissen Griechen von Kafka?
  14. Kafka als moderner Klassiker der Weltliteratur: Diskussion um Kanonbildung
  15. Kafka im Unterricht: Wie lässt sich Kafka heute an der Universität und in Schulen vermitteln?

Interessierte Beiträger/innen sind aufgerufen ihren Themenvorschlag für ein Referat (20min) unter der e-mail-Adresse kafka.athen2020@gmail.com einzureichen. Bewerbungen mit kurzer Projektskizze sowie Angaben zum wissenschaftlichen Lebenslauf sollten bis zum 16.12.2019 vorliegen.

Die Organisatoren: Ekkehard Haring, Katerina Karakassi, Nikolaos Koskinas

Quelle der Beschreibung: Information des Anbieters

Forschungsgebiete

Literatur aus Deutschland/Österreich/Schweiz, Stoffe, Motive, Thematologie, Übersetzung allgemein, Literatur des 20. Jahrhunderts
Griechenland ; Franz Kafka

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Ansprechpartner

Einrichtungen

Ethnikon kai Kapodistriakon Panepistēmion / Nationale und Kapodistria Universität Athen
Fachbereich für Deutsche Sprache und Literatur

Adressen

Athen
Griechenland
Datum der Veröffentlichung: 22.11.2019
Letzte Änderung: 22.11.2019