CfP/CfA Veranstaltungen

Ereignis in Sprache, Literatur und Kultur – Event in Language, Literature and Culture

Beginn
04.10.2018
Ende
06.10.2018
Deadline Abstract
31.05.2018

Interdisziplinäre Tagung an der Pannonischen Universität Veszprém
vom 4. bis 6. Oktober 2018

in Zusammenarbeit mit der Filiale Veszprém der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Stiftung Előd Halász


Das Institut für Germanistik und Translationswissenschaft an der Pannonischen Universität Veszprém organisiert am 4.-6. Oktober 2018 eine interdisziplinäre Tagung, in deren Mittelpunkt der aus unterschiedlichen Wissens- und wissenschaftlichen Bereichen bekannte Begriff „Ereignis“ steht. Um uferlose interdisziplinäre Diskurse einzudämmen, möchte sich die Tagung vor allem auf linguistische (auch psycholinguistische), literatur- und kulturwissenschaftliche, literatursoziologische sowie translationswissenschaftliche Beiträge beschränken. Im Folgenden werden einige mögliche Zugänge zum Begriff bzw. dem Phänomen „Ereignis“ skizziert:

Linguistische Zugänge können beispielsweise von Pustejovskys Ansätzen der Ereignisstruktursemantik und der Wortfeldtheorie(n) von Wotjak, Geckeler und Lutzeier ausgehen. Es kann danach gefragt werden, wie anhand ereignis­struktursemantischer Analysen die Bedeutungsstruktur deutscher und anderssprachiger (z.B. englischer, ungarischer) verbaler Felder zu modellieren ist. Seit der kognitiven Wende in der Psychologie fragt man intensiv danach, wie die Bedeutungen der Wörter im Gehirn des Menschen repräsentiert werden. In Anlehnung an Engelberg kann man davon ausgehen, dass die Bedeutungsrepräsentation der Verben in ihren Ereignisstrukturen besteht. Die Verben bezeichnen Ereignisse, die aus miteinander über verschiedene Relationen verknüpften Teilereignissen verschiedener Arten bestehen. Es stellt sich dabei die Frage, wie eine angemessene Theorie zur Repräsentation der Verbbedeutung zu entwickeln bzw. der bereits vorhandene ereignisstrukturbasierte Ansatz vor dem Hintergrund einer kontrastiven semantischen Analyse weiterzuentwickeln ist. Das Korpus dazu können u.a. auch Wortfelder bilden. Es ist weiterhin zu untersuchen, wie Ereignisstrukturen in eine Rahmentheorie zur Repräsentation der Argumentstruktur und Valenz der Verben eingebettet werden können. Ein mögliches Untersuchungsziel könnte sein, den semantischen Gehalt der in den Ereignisstrukturen verwendeten Prädikate und Relationen möglichst präzise zu bestimmen und (intra- und/oder interlingual) zu vergleichen. Zu prüfen ist auch, ob das gesamte semantische Kenntnissystem als Ereignisstruktur aufgefasst werden kann.

Im Mittelpunkt translationswissenschaftlicher Forschungsarbeit kanndie Translation als kommunikatives und interkulturelles Ereignis stehen, wobei der Prozessaspekt und die interkulturelle Dimension betont werden (Snell-Hornby). In diesem Zusammenhang sind weitere Beispiele für unterschiedliche Konzeptionen das Übersetzen als hermeneutischer Prozess des Verstehens von Texten (Stolze), das Übersetzen als interkulturelle Vermittlung im Sinne des interkulturellen Managements (Katan), das Übersetzen als Verhandlungsprozess (Eco), das Übersetzen als kreative Sprachentwicklung, das Übersetzen als funktionaler Prozess (Nord) und das Übersetzen als sozialer Prozess (Beiträge in Wolf/Fukari). Die Forschung im Bereich der Dolmetschwissenschaft kann sich auf sprachwissenschaftliche Themen in Bezug auf die kognitive Belastung (Effort Model), das Arbeitsgedächtnis, die Hirnfunktionen und Aktivierungsmuster sowie auf die Nutzererwartungen, Bewertungen und Reaktionen als Qualitätsindikatoren konzentrieren. Zur starken Zunahme der Dolmetsch­aktivität und  -wissenschaft im 21. Jahrhundert zählen weitere Dolmetschereignisse wie das Dometschen der Gebärdensprache , das Dialog- und Teledolmetschen, das Videodolmetschen, die Speech-to-Speech-Übersetzungssysteme wie auch die Entwicklung von Tools und Technologien zur Datensammlung und Analyse von Sprachdaten.

Literaturwissenschaftlich-narratologische Zugänge können von Jurij Lotmans Definition des Begriffs „Ereignis“ als der „Verletzung irgendeines Verbotes“, bzw. von der Relation zwischen „Ereignis“ und „Sujet“  (beide aufgefasst von Lotman als topologische Kategorien) ausgehen. Betrachtet werden können etwa Novellen im Hinblick auf das „Novum“, wie dieses zumindest seit Goethe zur Grundstruktur der Novelle gehört bzw. auf den Wendepunkt der Novelle als grundsätzliche Strukturkomponente und lesersteuerndes Deutungspotenzial. Will man überdies das Ereignis mit Wolf Schmid (Elemente der Narratologie) als „eine Zustands­veränderung, die besondere Bedingungen erfüllt“ unter die Lupe nehmen, ergeben sich Fragen nach dem Beziehungsgeflecht Ereignis-Ereignishaftigkeit-Erzählwürdigkeit, Faktizität oder Realität der Veränderung, oder nach dem Grad der Ereignishaftigkeit (Relevanz, Imprädiktabilität, Konsekutivität, Irreversibilität, Non-Iterativität) bzw. ihrem intertextuellen und (inter)kulturellen Kontext usw. Einbezogen werden können auch Ereignishaftigkeit als kultur-und literaturhistorisches Phänomen oder Relationen zwischen Ereignishaftigkeit und Ritualität. Bevorzugt werden dabei Beiträge, die die obigen Begriffskomplexe auf (deutschsprachige) literarische Texte beziehen bzw. jene mit diesen „illustrieren“.

Literatursoziologisch und rezeptionsgeschichtlich lässt sich ein literarisches Werk als ein Ereignis auffassen, wenn es durch sein Erscheinen und seine Wirkungspotenz einen rezeptiven Diskurs auslöst, der „eventuell“ auch andere „Felder“ (Pierre Bourdieu) als das literarische, nämlich das soziale oder das politische Feld berührt oder mit ihnen in Konflikt gerät. Man kennt z.B. den Skandal, den Gerhart Hauptmann mit seinem Vor Sonnenaufgang oder Rolf Hochhuth mit seinem Stellvertreter auslöste, die diskursive Wirkung, die diese Stücke auf soziale und politische Felder der gegebenen Epoche ausübten. In anderen Fällen sind diese Wirkungen selbst innerhalb des literarischen Feldes subtiler oder erst aus einer bestimmten zeitlichen Distanz erkennbar. Das Ereignis manifestiert sich dann als Eingang in die Geschichte der poetischen Sprache, als Anfang einer neuen poetischen Ausdruckform. Überlegenswert scheint schließlich der Moment der Begegnung des literarischen Textes mit einem anderen Medium, wodurch Ereignis zur intermediellen Transformation wird. In diesem Fall könnte danach gefragt werden, inwiefern die diversen Medien (z.B. Musik oder Film) das Zum-Ereignis-Werden des literarischen Textes beisteuern.
 

Last but not least: Innerhalb der Tagung wird auch eine Jugend-Sektion geplant, zu der ungarische und ausländische Nachwuchsgermanisten sowie Germanistik-, Translations- und Dolmetschwissenschaft-Studierende und Doktorand(inn)en eingeladen werden. Es handelt sich um eine selbständige Sektion, die zur Vorstellung von Studierenden und Nachwuchs­wissenschaftlern dient, ohne dass eine strenge Anknüpfung an die obigen Themen erforderlich wäre.

Für die einzelnen Vorträge sind 20 Minuten, für die anschließende Diskussion 10 Minuten vorgesehen. Abstracts im Umfang von max. 2500 Zeichen (inkl. Leerzeichen) müssen spätestens bis 31. Mai 2018 an die folgenden Adressen geschickt werden:

ereignis@mftk.uni-pannon.hu und vszabol@gmail.com

Über die Annahme der Beitragsvorschläge wird bis Ende Juni 2018 entschieden. Reise-, Verpflegungs- und Übernachtungskosten können von den Veranstaltern leider nicht übernommen werden.

Die Registrationsgebühr beträgt 15.000 HUF/50 EUR, (Phd-)Studentengebühr 7500 HUF/25 EUR (Nachweis erforderlich) und beinhaltet: Abstractheft, Tagungsbüfett in den Pausen, Empfang, Publikationsmöglichkeit im Tagungsband.

Einzahlung der Registrationsgebühr bis. 31. Juli 2018

Die Bankverbindung zur Überweisung:

Halász Előd Alapítvány

IBAN: HU51 1174 8007 2481 2441 0000 0000

BIC (SWIFT): OTPVHUHB

Bitte unbedingt angeben: Ereignis – RegistrationsgebührNachname

Die Konferenzsprachen sind Englisch, Deutsch und Ungarisch.

Weitere Informationen zur Tagung (Programm, Plenarvorträge etc.) finden Sie ab Mitte Juli 2018. unter http://german.uni-pannon.hu/index.php/hu.

Das Organisationskomitee:

Dr. habil. Katalin Ortutay,

Dr. habil. József Tóth,

Dr. habil. László V. Szabó

Interdisciplinary Conference at the University of Pannonia Veszprém

on October 4-6, 2018

in Cooperation with the Veszprém Branch of the Hungarian Academy of Sciences and the Előd Halász Foundation

The Institute for German Studies and Translational Science at the University of Pannonia Veszprém is organizing on October 4-6, 2018 an interdisciplinary conference focusing on the concept of ‘event’ regarded from different scientific perspectives. In order to reduce the fields of interdisciplinary discussions, the conference wishes to confine itself mainly to linguistic (also psycholinguistic), literary- and cultural scientific, literary sociologic, as well as translational scientific contributions. Some of possible approaches of the concept or phenomenon of ‘event’ may include:

Linguistic approaches can, for instance, be based on Pustejovsky’s assumptions of the semantics of the event (German Ereignis), or the lexical field theories of Wotjak, Geckeler or Lutzeier. Possible event-structure-semantic analyses may focus on models of verbal fields of German or other (e.g. English or Hungarian) languages and their semantic structure. Since the cognitive turn in psycholinguistics, questions of lexical semantic structures and representations in the human brain have been intensely discussed. According to Stefan Engelberg it can be assumed that the semantic representation of verbs corresponds to their event-structure. Verbs denote events that consist of different, multivariously interrelated part-events (or event-parts). Therefore, the question may arise, how an appropriate theory of semantic representation of verbs could be developed, or by what means already existing approaches to event-structures can be enhanced by contrastive semantic analyses. Possible corpuses may include lexical fields. It also seems to be worth examining how event-structures could be embedded in a frame-theory of representation of argument-structure and valency of verbs. A further purpose of examination may be the (precise) determination of semantic contents of predicates and relations used in the event-structures, as well as their (intra- and/or interlingual) comparison. Finally, it may be inquired whether the entire semantic knowledge system can be regarded in terms of event-structure.

Translational scientific papers may focus on translation as a communicative and intercultural event, emphasizing process aspects, and intercultural dimensions of translation (Mary Snell-Hornby). Within this context, different concepts of translation as a hermeneutic process of understanding texts (Radegundis Stolze), as intercultural transmission in the sense of intercultural management (David Katan), as process of negotiation (Umberto Eco), as creative language development, as functional process (Christiane Nord), or as social process (see papers edited by Wolf/Fukari in 2007) can be discussed. Research in the field of translational science as science of interpreting can focus on linguistic topics related to the Cognitive Load Theory (effort-model), working memory, brain functions and activation patterns, equally referring to user expectations, evaluations and reactions as quality indicators. Further interpreting events typical for current activities in the 21st century can be interpreting as sign language, dialogue- and tele-interpreting, video-tele-interpreting, speech to-speech translational systems, also the development of tools and technologies for data collecting and analysis of language data.

Literary scientific-narratological approaches can be based on Youri Lotman’s definition of the concept of ‘event’ as ‘violation of certain interdictions”, or, respectively, on the relation between “event” (Ereignis) and “subject” (Sujet), both being regarded by Lotman as topological categories. In short stories, for instance, the ‘novum’ that belongs to their structure at least since Goethe, can be regarded as ‘events’, but also the so-called turning points, both being basic structural components and reader-directing elements of short stories. If Wolf Schmid regarded the (narratological) ‘event’ as a “change of status meeting special conditions” (Elemente der Narratologie), questions can be posed related to concepts of event, eventlikeness, narrativity, to the facticity or reality of change, to the grade of eventlikeness (relevancy, unpredictability, consecutivity, irreversibility, and non-iterativity), to their intertextual and (inter)cultural context and so on. On the other hand, papers can focus on eventlikeness as a cultural and literary historic phenomenon, or on connections between eventlikeness and rituality. We will also favour papers applying the above concepts to literary texts, or “illustrating” them with those concepts.

From literary sociological and reception theoretical point of view a literary work can be regarded as an event if its appearance and its impact potential trigger receptive discourses that can touch “fields” (Pierre Bourdieu) other than the literary one, namely the social or the political field, or can even come into conflict with them. The scandals provoked by Gerhart Hauptmann’s Before Sunrise or Rolf Hochhuth’s The Deputy are well-known in the German literary history, also the discursive impact caused by theses plays in the social and political fields of their age. In other cases, these impacts are rather subtle even within the literary field, or only recognisable from a certain distance of time. The ‘event’ then shows itself as an entry into to history of the poetic language, as the beginning of a new poetic form of expression. Finally, the meeting moment between the literary text and another medium is also worth considering, which transforms the ‘event’ into an intermedial one. In such cases questions may arise, how diverse media (such as music or film) can help a certain literary text become an event. 

Last but not least, our conference equally offers a junior section, to which (PhD) students from Hungary and abroad, young specialists in German studies and translational science, are invited. This independent section aims at providing the young researchers a platform for presenting their work thus a strict connection of their papers to the above descriptions is no definite requirement.

20 minutes for each presentation and 10 minutes for the following discussions are scheduled in each section. Abstracts of no more than 2,500 characters (incl. spaces) should be submitted until May 31, 2018 to the following email addresses:

ereignis@mftk.uni-pannon.hu and vszabol@gmail.com

Paper proposals will be selected by the end of June, 2018. Travel, catering and accommodation expenses cannot be refunded.

The registration fee of 15.000 HUF/50 EUR, for (Phd-)students (certification of the student status is required) 7.500 HUF/25 EUR, covers the booklet of abstracts, conference buffet during the breaks, reception, publication costs (in the conference volume).

Please transfer the registration fee to the bank account number below. Deadline for the conference fee: July 31, 2018.

Halász Előd Alapítvány

IBAN: HU51 1174 8007 2481 2441 0000 0000

BIC (SWIFT): OTPVHUHB

Please type the following in the note to payee: eventregistration fee ­– your surname.

The conference languages are English, German and Hungarian.

For further information about the conference (conference programme, plenary lectures etc.) see http://german.uni-pannon.hu/index.php/hu (from the middle of July 2018).

The organising committee:

Dr. habil. Katalin Ortutay

Dr. habil. József Tóth

Dr. habil. László V. Szabó

Quelle der Beschreibung: Information des Anbieters

Forschungsgebiete

Literatur und Kulturwissenschaften/Cultural Studies, Stoffe, Motive, Thematologie
Ereignis

Links

Ansprechpartner

Einrichtungen

Pannon Egyetem (Veszprém) / Pannonische Universität (Veszprém)

Adressen

Veszprém
Ungarn
Datum der Veröffentlichung: 12.12.2018
Letzte Änderung: 03.01.2019