Argumentationspraxis in der Literaturwissenschaft

Wer oder was ist das Projekt „Argumentationspraxis in der Literaturwissenschaft“?

Das Projekt ist an der Arbeitsstelle für Theorie der Literatur der Universität Göttingen angesiedelt. Ziel ist, mit dem Argumentieren eine der wichtigsten Praktiken literaturwissenschaftlichen Arbeitens zu erforschen.


Beteiligt sind

Loreen Dalski
Dr. Stefan Descher
Fabian Finkendey
Merten Kröncke
Dr. Urania Milevski
Julia Wagner
Prof. Dr. Simone Winko

 


Forschungsaktivitäten

Im Zentrum steht das von der DFG geförderte Projekt „Das Herstellen von Plausibilität in Interpretationstexten. Untersuchungen zur Argumentationspraxis in der Literaturwissenschaft“. Das Projekt rekonstruiert in deskriptiver Absicht die Praxis des literaturwissenschaftlichen Argumentierens und wertet zu diesem Zweck ein Korpus von Interpretationstexten qualitativ und quantitativ aus. Argumentieren wird als soziale Praxis verstanden. Disziplinäre Bedingungen der literaturwissenschaftlichen Interpretationspraxis, z.B. konsensuell geteiltes Wissen und rhetorische Darstellungsmittel, werden nicht als Störfaktoren eingeschätzt und ausgeblendet, sondern dezidiert mit untersucht. Auf diese Weise wird der Versuch einer ‚dichten Beschreibung‘ der Argumentationspraxis unternommen. Mit dem Konzept der Plausibilität wird eine weite, aber operationalisierbare Kategorie in den Mittelpunkt der Untersuchungen gestellt, die es erlaubt, argumentative Zusammenhänge unter drei Aspekten zu analysieren – in Hinsicht auf ihre Schlüssigkeit, die Passung der angeführten Argumente sowie die kollektive Akzeptanz der Argumente und vorausgesetzten Schlussregeln – und damit auch die besondere Darstellungsform der Interpretationstexte mit zu berücksichtigen.


 

Publikationen

Stefan Descher / Thomas Petraschka: Die Explizierung des Impliziten. Zu einem Grundlagenproblem der Untersuchung literaturwissenschaftlicher Interpretationspraktiken am Beispiel von Droste-Hülshoffs „Der Knabe im Moor“. In: Scientia Poetica 22 (2018), S. 180–207.

Stefan Descher / Thomas Petraschka: Argumentieren in der Literaturwissenschaft. Eine Einführung. Ditzingen 2019.

Stefan Descher: Deduktive Schlüsse in der literaturwissenschaftlichen Praxis. In: Journal of Literary Theory 13/2 (2019), S. 145–160.

Simone Winko: Zum Werkbegriff in der gegenwärtigen Interpretationspraxis: Exemplarische Untersuchungen. In: Lutz Danneberg / Annette Gilbert / Carlos Spoerhase (Hg.): Das Werk: Zum Verschwinden und Fortwirken eines Grundbegriffs. Berlin, Boston 2019, S. 131–165. (= Revisionen 5)

Stefan Descher: Tagset ‚Forschungstexte analysieren‘. In: forTEXT. Literatur digital erforschen. 2020. URL: https://fortext.net/ressourcen/tagsets/tagset-interpretationstexte-analysieren

Fabian Finkendey: Klarheit in literaturwissenschaftlichen Interpretationen. In: Stefan Descher / Tilmann Köppe / Thomas Petraschka (Hg.): Interpretieren in der literaturwissenschaftlichen Lehre. PhiN Beiheft 27 (2021), S. 46–54. URL: http://web.fu-berlin.de/phin/beiheft27/b27t5.pdf

Urania Milevski: In Schönheit interpretieren, oder: Literaturwissenschaftliche Interpretationen zwischen ästhetischem und pragmatischem Anspruch. In: Stefan Descher / Tilmann Köppe / Thomas Petraschka (Hg.): Interpretieren in der literaturwissenschaftlichen Lehre. PhiN Beiheft 27 (2021), S. 55–65. URL: http://web.fu-berlin.de/phin/beiheft27/b27t6.pdf

Stefan Descher / Thomas Petraschka: Textverstehen als argumentativer Diskurs. Ein Plädoyer gegen Krisenrhetorik und drei Vorschläge für eine Rationalisierung der Philologie. In: LiLi. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 51/4 (2021), S. 645–663. URL: https://doi.org/10.1007/s41244-021-00222-2

Simone Winko: Bezugnahmen auf die Textwelt. Untersuchungen zu Handlungstypen in der literaturwissenschaftlichen Interpretationspraxis In: Scientia Poetica 26 (2022) (im Druck).

 

Die Abschlusspublikation zum DFG-Projekt erscheint voraussichtlich Ende 2022.

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